Fischen in Fischen - Fliegenfischen im Kleinwalsertal
Es ist einer dieser kalten verregneten Tage in unserem Wanderurlaub im Kleinwalsertal, an denen Bergwandern nicht sonderlich einladend ist. Und es gibt schoeneres, als einen verregneten Tag mit nassen und zunehmend betrunkenen Wanderern in der engen Stube unserer Alpe zu verbringen.
Dies kann ich meiner Freundin erfolgreich vermitteln und mich sodann schnell aus dem Staub - auf ins Tal machen.
Es regnet ununterbrochen. Ideale Bedingungen, um im Grundbach in Fischen, einem Nebenarm der Iller, den Forellen nachzustellen, die ich tags zuvor beim Spazieren entdeckt hatte. Besonders eine an einem alten stillgelegten Wehr hatte es mir angetan.
Fischen liegt im wunderschoenen Allgaeu, ca. eine halbe Stunde Autofahrt vom ebenso wunderschoenen Kleinwalsertal entfernt. Je naeher ich meinem Ziel komme, desto mehr laesst zu meinem Erschrecken der Regen nach und zunehmend tauchen blaue Flecken am Himmel auf. Dadurch wuerde es deutlich schwieriger werden, einen Fisch im glasklaren Fluss zu ueberlisten. Der Grundbach ist an den meisten Stellen nicht breiter als 4 Meter. Bewaten ist nicht erlaubt. Die teilweise hohe Boeschung an beiden Seiten des Flusslaufs laesst die Fische gut erkennen; allerdings auch den Fischer. Es wuerde nicht einfach werden. Endlich die Gaestekarte erworben und die Klamotten angezogen, zeigt sich die Sonne in voller Pracht und es wird warm. Na, super! Ich ahne, dass sich die auf der Alpe Zurueckgelassene vermutlich von mir gelinkt fuehlen wuerde… Egal, ich bleibe. Schliesslich hatte ich ja den klaren Auftrag von der Familie erhalten, Fisch mit nach oben zu bringen.
Es steigen kleine Forellen, die grossen Jungs stehen unten, lassen sich jedoch nicht von meinen Nymphen beeindrucken, die ich nacheinander in allen moeglichen Farben, Formen und Variationen an ihnen vorbeiziehen lasse. Allenfalls mal ein kleiner Zupfer. Ich erwische mich dabei, in die Dose zu greifen, die ich eigentlich gar nicht haette dabei haben duerfen und binde etwas verunsichert schnell einen schwarzen Streamer dran. Streamer sind auch nicht erlaubt, aber so ist das halt, wenn einen die Biester zur Verzweiflung bringen wollen und der Adrenalinspiegel im Blut zu hoch wird. Doch irgendwie wollen mir die Wuerfe nicht gelingen. Wahrscheinlich wegen des schlechten Gewissens, das mir doch ein bischen im Nacken sitzt. Nach ein paar Wuerfen, bei denen mich nicht nur wegen des Streamers besser niemand haette sehen duerfen, entschliesse ich mich, den Streamer lieber wieder gegen einen zugelassenen Koeder zu tauschen und die vermasselte Stelle zu verlassen.
In grossem Bogen pirsche ich mich in Tip-Top-Schritten an den Rand der Boeschung einer neuen, vielversprechenden Stelle. Unten am Wasser steht ein Gebuesch. Da muss ich hin, moeglichst ohne erkannt zu werden! Unten angekommen sortiere ich meine Schnur und versuche es noch einmal mit der Koecherfliegennymphe. Vor mir liegt ein schneller Lauf, in den aeste ueberhaengen. Eigentlich ideal, doch nichts passiert. Ploetzlich bemerke ich, dass irgendetwas ca. drei Meter flussabwaerts, also hinter dem Gebuesch, ordentlich zu schmatzen angefangen hat. Mein Pulsschlag erhoeht sich. Jetzt bloss nicht auffaellig werden. Schnell montiere ich eine Trockene und werfe sie aus meiner Tarnung heraus. Die Stelle ist langsam. Durch das Gebuesch beobachte ich, dass die Fliege exakt auf die gewuenschte Position zutreibt. Und wieder schmatzt es, danach herrscht grosse Unruhe im Bach! Ich hake eine wunderschoene, ausgewilderte Bachforelle mit 39 cm. Leider darf der Fischer dem Grundbach nur einen gefangenen Edelfisch pro Tag entnehmen, ich gab ihr die Freiheit, denn ich hatte es ja auf die eine am Wehr abgesehen.
Inzwischen steht die Sonne so hoch, dass auch ich am Ufer in voller Pracht angestrahlt werde. Waehrend die meisten noch unten am Grund stehen, ist mein Objekt der Begierde fleissig dabei, in schoener Regelmaessig zu steigen. War klar, dass der Fisch genau da steht, wo man ihn nie haette entnehmen koennen. Genau zwischen den alten Wehrmauern.
Das Wasser ist flach und wieder sehr langsam. Nur ein kurzer Abschnitt laesst Werfen ueberhaupt zu, allerdings versperrt dort ein Machendrahtzaun den Zugang zum Wasser. Was, wenn sie beisst? Doch schon ist die Fliege in der Luft. Ein weiter Wurf wird erforderlich, um den Fisch zu erreichen. Ausgerechnet als ich ablegen moechte steigt das Biest erneut. Ich wedle munter weiter und hoffe, nicht entdeckt zu werden oder mal wieder hinter mir im Gras haengen zu bleiben. Die Fliege landet sanft auf dem Wasser, doch leider einen guten Meter neben ihr. „Mist!“, denke ich als ich bemerke, dass sich die Forellen von ihrem Standplatz loest, in meine Richtung dreht und mit der Stroemung langsam auf die Fliege zutreibt.
Die Sekunden bis zum erhofften Ring ziehen sich, was fuer ein Erlebnis, endlos in die Laenge. Sie ist gehakt und waehrend sie am anderen Ende ordentlich Alarm macht, werde ich an die Problematik des Landens erinnert. Verzweifelt suche ich nach einer Moeglichkeit, Zugang zum Wasser zu finden. Links hohe Buesche und rechts das Betonwehr, vor mir der Zaun… Ich entscheide mich, waghalsig mit nur einer freien Hand das Wehr zu besteigen um dahinter wieder herabzuklettern. Nur so laest sich die einzig zugaengliche Stelle, die hinterm Wehr ziemlich steil gepflasterte Boeschung erreichen. Jetzt bloss die Spannung halten! Ich fuehle mich ein wenig wie Bratt Pitt. Fische sind jetzt weit und breit nicht mehr auszumachen. Nur noch die gehakte, die meine missliche Situation erkannt zu haben scheint und nicht muede wird, immer wieder zu neuen Fluchten anzusetzen. Schliesslich lasse ich mich vorsichtig die steile Uferkante herabrutschen und kann die wunderschoen gezeichnete Bachforelle mit rund 38 cm keschern. Das war´s! Nur ein Fisch ist erlaubt.
Ich fahre wieder nach Österreich auf die Alpe. Stolz praesentiere ich oben angekommen meine „16 � - Forelle“, fuer deren Preis nur Nicht-Fischer kein Verstaendnis haben koennen. Zur grossen Freude aller gibt’s abends bei Kerzenschein und Gaslampe diesmal nicht Kaiserschmarrn oder Speckbrot, sondern fangfrischen Fisch aus dem Tal. Und wie ich beim Essen ausserdem erfahren darf, waere ein schoener Tag fuer die geplante Bergtour gewesen…
BMGB
Anmerkung der Redaktion: BM steht - so wie ich Guido kenne - fuer BigMaster! Da war wohl ein Glas zu viel im Spiel! :-)
Die 5 neusten Artikel- Fischen in Fischen - Fliegenfischen im Kleinwalsertal
- Menorca 2005 - Familie & Fischen
- Fliegenfischen am Rio Ebro in Spanien
- Valentino muss ein Fliegenfischer sein!
- Erstes Wallercamp fuer Fliegenfischer am Rio Ebro
- Fliegenfischen im Bodetal Teil I - 3,975 Aufrufe
- Fischen in Fischen - Fliegenfischen im Kleinwalsertal - 3,630 Aufrufe
- Menorca 2005 - Familie & Fischen - 3,486 Aufrufe
- Fliegenfischen am Rio Ebro in Spanien - 3,464 Aufrufe
- Fischen in Frankreich und Leben wie Gott - 3,433 Aufrufe





