Fischen in Frankreich und Leben wie Gott
Jedes Fruehjahr fahren meine Frau und ich in einen Wochenurlaub. Als Reiseziel suchen wir uns immer Gegenden aus, welche wir noch nicht bereist haben. In diesem haben wir die Provence in Frankreich ausgewaehlt. Gutes Essen, guter Wein und die franzoesische Lebensart waren unser Ziel.
Die Reise war gebucht - ein kleines Haus, Flug bis Marseille und ein Mietwagen. Meine erste Idee mal zu schauen ob es dort Moeglichkeiten zum Fliegenfischen gibt habe ich schnell wieder verworfen. Nach dem Saisonstart und der vielen Angelstunden wollte ich mich ganz meiner Frau widmen. Natuerlich mit dem kleinen Hintergedanken Freiraum fuer die Maifliegenzeit zu schinden.
Da passierte es! Meine Frau schenkte mir zum Geburtstag ein Jahresabo fuer die Zeitschrift Fliegenfischen und im ersten Heft (Nr. 3 /2005) was ich bekam war ein Bericht ueber das Fliegenfischen in Frankreich veroeffentlicht. Im ersten Ansatz ueberflog ich den Artikel und musste feststellen, dass der dort beschrieben Fluss Sorgue nur ca. 20 min von unserem gemieteten Haus entfernt war.
Den Artikel legte ich demonstrativ auf den Lesesessel meiner Frau und wartete ab. Im Ergebnis bekam ich einen boesen Blick und die Frage zu hoeren “Fahren wir in einen Angelurlaub?” . Nicht das meine Frau kein Verstaendnis fuer meine Sucht nach Befriedigung des Jagdinstinktes haette - aber der Kurzurlaub gehoert Ihr
Natuerlich lasse ich mich dadurch nicht abschrecken und plane einen zweiten Versuch. Bei einem gemuetlichen Abendessen mit Wein und Kerzenlicht gelingt es mir ein paar Stunden Gewaesserexpedition von den straff geplanten Besichtigungstouren abzuknapsen. Leider ohne die Fliegenrute.
Wir kommen am Samstag in der Provence an und wollen auch schon am Sonntag in Isle auf den Markt. Dieser Ort wird auch das Venedig Frankreichs bezeichnet, da der Ort mit vielen Kanaelen der Sorgue durchzogen ist. So konnte ich beim Bummel ueber den herrlichen Markt immer wieder ein Blick in die vielen Kanaele wagen.
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Was ich dort zu sehen bekam entsprach bei weitem mehr als ich es nach dem Lesen des Artikels aus dem Heft Fliegenfischen erwartet haette. An den typischen Standplaetzen konnte ich viele aeschen beim Nymphen zuschauen und teilweise stiegen die Fische. Glasklares Wasser und grosse aeschen - da lacht das Fliegenfischerherz auch ohne Fliegenrute. Wir folgten der Sorgue auf unseren Besichtigungstouren bis zur Quelle in Fontaine de Vaclause.
An den naechsten Tagen fuhren wir auch an die Durance, welche aber nur milchiges Wasser fuehrte. Bei guten Bedingungen bestimmt ein schoenes Revier.
Bei einem Besuch des Aqaedukt bei Pont du Gard konnte ich mir auch die Gard anschauen. In einem ruhigen Flussbecken waren einige grosse Wildkarpfen zu sehen.
Meine Frau machte eine Pause und ich folgte dem Flusslauf bis zu einer schoenen Rausche und einem nachfolgenden tiefen Zug. Im glasklarem Wasser konnte ich einige grosse dunkle Steine ausmachen - dachte ich! Fuer eine bessere Fotoposition ging ich Knietief ins Wasser und musste feststellen, dass die grossen Steine lebten. Wie U-Boote schoben sich die Schatten 3 Meter flussauf. Zum Glueck hatte ich meine Polbrille bei und auch einen entsprechenden Filter fuer meine Kamera. Die Fische waren von ca. 40 - 65 cm gross. Es waren etwas dunklere und hellere Ruecken zu sehen. Vielleicht Barben und Forellen? Leider war das Wasser zu bewegt um es genau ausmachen zu koennen - spannend war es auf jeden Fall. ueber die Moeglichkeit des Angelkartenverkaufs fuer die Gard konnte ich aus Zeitgruenden leider nichts in Erfahrung bringen.
Am letzten Abend unseres Frankreichsurlaubes wollten wir noch einmal nach Isle fahren und direkt an einen der vielen Kanaele essen gehen. Natuerlich wollte ich noch einmal die Gelegenheit nutzen noch einmal einen Blick auf die Sorgue zu werfen.
An einem Campingplatz, welcher direkt an der Sorgue gelegen ist und auch die Moeglichkeit bietet kleine Bungalows zu mieten, sahen wir 2 Fliegenfischer sich fuer einen Fischtrip umzogen. Wir liessen uns den Zugang zum Wasser erklaeren, welcher zu finden ausserhalb des Ortes nicht ganz einfach war.
Meine Frau hielt trotz des Sommerkleides und dem hohen Gras ausgesprochen gut mit. Meine Freude ueber einen aktiven Maifliegenschlupf konnte Sie jedoch nicht ganz nachvollziehen. Ich konnte einige aeschen ausmachen, welche manchmal nymphten und dann wieder nach schluepfenden Maifliegen stiegen. Sehr seltsam oder vielleicht - andere Laender andere Sitten - oder einfach nur Fressrausch. Irgendwann war die Toleranzgrenze meiner Frau erreicht und wir fuhren zum gemuetlichen Teil des Abends. Ein leckeres Menue mit gutem Wein und direkt am Wasser. Na gut, die steigenden Fische schmerzen schon sehr und liessen mich die ganze Last des Verzichtens spueren! Aber, wir kommen wieder!
FAZIT: Es gibt viele Reiseberichte und Gewaesserinformationen und nicht alle koennen halten, was uns von den Autoren versprochen wird. Gruende und Begruendungen gibt es immer viele und nur wenn man selbst vor Ort war oder sein wird kann man sich eine wirkliche Meinung bilden. Fuer diesen Bericht zur Sorgue im Heft Nummer 3 aus 2005 der Zeitschrift Fliegenfischen kann ich mich anschliessen. Fische sind da, die Umgebung ist grandios - nur fangen muss man selbst!!!
In diesem Sinne - Immer die richtige Fliege!
Euer gb
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